Planet 3.0 

Vortragsreihe Planet 3.0

Planet 3.0. Klima. Leben. Zukunft
Eine Veranstaltungsreihe des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)

Unsere Vortragsreihe greift die Inhalte der Sonderausstellung Planet 3.0 auf und lädt ein, die durch renommierte Fachleute präsentierten aktuellen Themen bei einem Besuch der Ausstellung in der Wolfgang-Steubing-Halle zu vertiefen. Falls Sie unser Kernthema Biodiversität im Titel der Reihe vermissen: Die Lebensvielfalt verbindet als roter Faden die Themenblöcke miteinander. Und wie gewohnt spannen wir den Bogen vom regionalen Fokus (Frankfurt/Hessen/Deutschland) hin zu den weltweiten Prozessen und Veränderungen.
Die Wechselwirkungen von Biodiversität und Klimawandel stellen die Wissenschaftler vor gewaltige Herausforderungen. Das Engagement sachkundiger Bürgerinnen und Bürger wird immer wichtiger, um die benötigte Datenfülle zu erarbeiten – z.B. bei der Dokumentation der Ausbreitung und des Verhaltens von Arten. Ein Vortrag widmet sich daher dem Thema „Bürgerwissenschaft“ (Citizen Science). Ein weiteres hochaktuelles Forschungsgebiet ist die oft übersehene Lebensvielfalt im Boden und ihre Bedeutung für uns. Zentrale Fragen der Zukunft sind die Verringerung des CO2-Ausstoßes bzw. die „Entsorgung“ des Gases. Hier bietet der Meeresboden Optionen, an die sich weltweit Hoffnungen, aber auch Risiken knüpfen. Dies gilt auch für zwei Themen aus dem Energiesektor: Sowohl beim „Fracking“ zur Schiefergasgewinnung als auch beim „brennenden Meereis“ locken schlummernde Energiereserven – die Auswirkungen ihrer Gewinnung und Nutzung auf unser System Erde werden aber noch kontrovers diskutiert. Die Vorträge liefern Ihnen zu diesen und vielen weiteren Themen neue, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, und mit dem schon vertrauten Format der Themenabende möchten wir Vertreter aus Forschung, Politik und Praxis miteinander und mit den Besuchern ins Gespräch bringen.

Alle Veranstaltungen beginnen um 19h und finden im Festsaal des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt statt. Der Eintritt ist frei. EIne Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wir freuen uns auf anregende Veranstaltungen und auf Ihren Besuch!

Alle Details zur Ausstellung finden sich auch unter www.planet.senckenberg.de

Mittwoch, 20. März | Themenabend Klima
Klimawandel in Deutschland, Hessen, Frankfurt - wo stehen wir?
Redner: Dr. Paul Becker (Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes )
Podiumsdiskussion mit:
Rosemarie Heilig (Umweltdezernentin der Stadt Frankfurt)
Dr. Heike Hübener (Fachzentrum Klimawandel Hessen)
Prof. Dr. Andreas Mulch (Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung)
Moderation: Andreas Horchler, hr INFO
Der Klimawandel ist längst in Deutschland angekommen und zeigt sich z.B. in längeren Vegetationsperioden, heißen, trockeneren Sommern und häufigeren Extremwetterereignissen. An diesem Themenabend wird der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes das Ausmaß des Klimawandels in Deutschland umreißen, bevor in der Podiumsdiskussion sondiert wird, was das für Hessen und Frankfurt bedeutet, und warum wir uns eigentlich so ums Klima sorgen: Hat es sich doch im Verlauf der Erdgeschichte dauernd stark verändert.

Mittwoch, 10. April | Vortrag: Klimawandel – Was kommt auf uns zu?
Prof. Dr. Peter Lemke (Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven)
Natürliche Ursachen ließen das das Klima der Erde schon seit jeher stark schwanken, Warm- und Kaltzeiten wechseln sich ab. Dies wird auch in Zukunft so bleiben, hinzu aber kommt seit Beginn des Industriezeitalters der Mensch. Seine Aktivitäten verändern die Zusammensetzung der Atmosphäre und gleichzeitig die Strahlungs- und Energiebilanz der Erdoberfläche und den Wasserkreislauf. Folgen hiervon könnten eine Erwärmung des Klimas um bis zu 4°C und ein Meeresspiegelanstieg von bis zu 60cm sein – mit weitreichenden Folgen für die Menschheit.
Der Vortrag behandelt die globale und regionale Entwicklung der letzten Jahre insbesondere für die Polargebiete und gibt, basierend auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, einen Ausblick auf die Zukunft.

Mittwoch, 17. April | Vortrag: Die Polargebiete im Wandel: Einsichten mit neuen Satellitenmessverfahren
Dr. Ingo Sasgen (Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, Potsdam)
Im letzten Jahrzehnt wurden für das grönländische Eisschild immer wieder Rekordwerte der Oberflächentemperatur und der Schmelzausdehnung beobachtet  - Anzeichen für den langfristigen klimatischen Wandel in der Arktis? Die Schwerefeld-Satellitenmission GRACE erlaubt nun die Eisverluste genau zu quantifizieren. Doch welchen Anteil haben Schmelzen, Eisbergkalben und Schwankungen im Niederschlag an den beobachteten Trends? Und wodurch werden sie verursacht? Diese Themen werden im Vortrag diskutiert.

Mittwoch, 8. Mai |Vortrag: Konstant ist nur der Wandel: Das Klima seit Beginn der Erdgeschichte
Prof. Dr. Christian-D. Schönwiese (Goethe-Universität Frankfurt a. M.)
Im Lauf der Erdgeschichte hat sich das Klima der Erde immer wieder und oft drastisch gewandelt. Auf die ersten Jahrmilliarden der Abkühlung folgte ein Wechselspiel von immer noch sehr warmen und daher völlig eisfreien Klimazuständen mit kälteren Epochen, den Eiszeitaltern. Besonders spektakulär war die fast vollständig eisbedeckte Erde vor ca. 700 Millionen Jahren. Seit 2-3 Millionen Jahren befinden wir uns wieder in einem relativ kalten Klimazustand, dem Quartären Eiszeitalter, in dem ein ausgeprägtes Hin und Her zwischen Warm- und Kaltzeiten („Eiszeiten“) dominiert. Nachdem unsere derzeitige Warmzeit einige Jahrtausende nur noch relativ gering variiert hat, tritt spätestens seit dem Industriezeitalter  der Mensch in Konkurrenz zu den vielfältigen natürlichen Ursachen des Klimawandels.

Mittwoch, 22. Mai | Vortrag: Klima und Mensch. Die Sicht der Geowissenschaften
Prof. Dr. Gerald H. Haug (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich)
Während der gesamten Erdgeschichte unterlag das Klima großen Schwankungen – lange bevor der Mensch massiv in diese Abläufe eingegriffen hat. So war es in der Kreidezeit und im frühen Känozoikum deutlich wärmer als heute und die Pole waren eisfrei. Die Klimageschichte war danach, seit 55 Millionen Jahren, vor allem durch ein Thema geprägt: die Erde kühlte ab. Vor 36 Millionen Jahren vereiste die Antarktis und seit 2.7 Millionen Jahren ist unser Planet auf beiden Polen eisbedeckt. Es ist eine zentrale Frage der klimaforschenden Geowissenschaften, inwieweit diese Prozesse durch den menschgemachten Klimawandel revidiert werden können und in welchen Zeiträumen das passiert. Das Klima hat sich aber auf weitaus kürzeren Zeitskalen, von Jahrtausenden bis Dekaden, regional drastisch verändert. Gerade die dekadischen Klimaschwankungen hatten einen wesentlichen Einfluss auf den Lebensraum des Menschen und haben immer wieder die Geschichte früher Hochkulturen geprägt.

Mittwoch, 12. Juni | Themenabend Leben
Einführungsvortrag: Prof. Dr. Volker Mosbrugger:  Klimawandel und biologische Vielfalt - Folgen für Deutschland
Kurzvorträge im Pecha-Kucha-Format: Prägnante Beispiele aus dem Statusreport
Der Statusbericht „Klimawandel und Biodiversität - Folgen für Deutschland“ fasst den aktuellen Wissensstand für Deutschland zusammen. Über 100 WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Fachrichtungen – von der Klimatologie über die Biologie, Bodenkunde und Forstwirtschaft bis hin zur Medizin und Soziologie – haben daran mitgewirkt. Der von BiK-F und dem Climate Service Center (CSC) herausgegebene Statusbericht wurde von der Deutschen Umweltstiftung zum Umweltbuch des Monats Januar gekürt. An diesem Abend stellen beteiligte AutorInnen die interessantesten Ergebnisse vor- im kurzweiligen Pecha-Kucha-Format.

Mittwoch, 3. Juli | Vortrag: Biologische Vielfalt im Boden – unbekanntes Leben unter unseren Füßen
Prof. Dr. Willi Xylander (Senckenberg Museum für Naturkunde, Görlitz)
Böden sind dynamische Lebensräume, in denen sich Millionen von Mikroben-, Pilz-, Tier- und Pflanzenarten tummeln. In einer Handvoll Boden leben mehr Organismen, als es Menschen auf der Erde gibt. Viele sind mikroskopisch klein, einige wenige groß - z. B. die Regenwürmer. Käfer oder Tausendfüßer - und somit auch den Nicht-Biologen bekannt. Mehr als ein Viertel aller auf der Erde lebenden Arten sind Bodentiere, aber diese Vielfalt ist bei weitem noch nicht komplett erfasst und beschrieben. Von den Aktivitäten dieser unterirdischen Lebensformen hängt das ökologische Gleichgewicht und somit auch das menschliche Wohl entscheidend ab: Bodenlebewesen bauen organische Substanz ab und recyceln Nährstoffe, sie durchmischen den Boden, verhindern Erosion und reinigen Wasser. Der Vortrag nimmt den Boden, die organismische Vielfalt unter unseren Füßen und deren Funktion genauer unter die Lupe und stellt vor allem die verschiedenen Gruppen und ihre Lebensweisen vor.

Mittwoch, 28. August | Vortrag: Können Bürger Wissenschaft? Das Potenzial von Citizen Science in der deutschen Biodiversitätsforschung
Prof. Dr. Johannes Vogel (Museum für Naturkunde, Berlin)
Die Wissenschaft steht globalen Herausforderungen gegenüber: Klimawandel, Biodiversitätsverlust oder Ressourcenverknappung sind nur einige davon. In der heutigen Wissensgesellschaft kann und sollte Wissenschaft nicht mehr nur durch Wissenschaftler und akademisch gebildete Experten, sondern auch durch Bürger betrieben werden. Hier bedarf es neuer Wege der Kommunikation  –nicht nur, um engagierte Bürger über Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren, sondern auch, um sie frühzeitig in Themen zu involvieren. Naturmuseen sind hier für eine Vorreiterrolle prädestiniert. Der Vortrag stellt praktische Beispiele der partizipatorischen Wissenschaft (Bürgerwissenschaft, Citizen Science) vor und zeigt, wie Wissenschaft sich den verschiedenen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Perspektiven öffnen und neue Formen des Mitmachens entwickeln kann.

Mittwoch, 4. September | Vortrag: Alle Vögel sind noch da? Vögel, Ökosysteme und der Klimawandel
Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese (BiK-F und Goethe-Universität Frankfurt a. M.)
Wie wirkt sich der weltweite Klimawandel auf die Biodiversität von Vögeln aus, und welche Folgen hat das für die Ökosysteme – und für uns? Vögel gehören zu den Organismen, die für ihre Schönheit geschätzt werden, denen aber nicht unbedingt großer Nutzen nachgesagt wird. Dabei zeigen neueste Studien, dass Vögel eine wichtige Rolle für die biologische Schädlingsbekämpfung, für die Samenausbreitung und die Regeneration von Pflanzen spielen. Vögel sind als mobile Bindeglieder außerdem wichtig für die Ausbreitung und den Genfluss von Pflanzen. Vor diesem Hintergrund wird in diesem Vortrag die Bedeutung von Vögeln für die Regeneration und Anpassungsfähigkeit von Ökosystemen beleuchtet, mit einem besonderen Fokus auf den Auswirkungen des Klimawandels.

Mittwoch, 18. September | Themenabend Zukunft: Fracking – Energiegewinnung mit Zukunft?
Einführung: Dr. Thomas Schmid (Präsident des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie): Was ist Fracking, und wie ist der aktuelle Sachstand dazu in Hessen?
Podiumsdiskussion mit Teilnehmern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bürgerinitiativen
Der Themenabend gibt einen Einblick in die Technik unkonventioneller Erdgasförderung (Fracking), und bietet Befürwortern und Gegnern Gelegenheit, ihre Argumente darzulegen. Macht Fracking uns unabhängig von russischen Gasvorkommen? Welches sind die mit dieser Technologie verbundenen Gefahren? Was ist der Stand der Planungen in Deutschland und Hessen? Auch das Publikum wird Gelegenheit haben, sich an der Diskussion zu beteiligen.
Mit  Photoeindrücken von J. Henry Fair.
 
Mittwoch, 9. Oktober | Vortrag: Demografischer Wandel – Chance für die Nachhaltigkeit?
PD Dr. Diana Hummel (ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung)
Die Bevölkerung Deutschlands schrumpft, seit mehreren Jahrzehnten sterben hier jedes Jahr mehr Menschen als geboren werden. Gleichzeitig werden die Menschen älter. Diese Entwicklung wird allgemein als bedrohlich angesehen, vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, und es werden große Anstrengungen unternommen, um diesen Trend zu verlangsamen. Aber ergeben sich hier nicht neue Möglichkeiten, die Gesellschaft nachhaltiger auszurichten und den ökologischen Fußabdruck der Bundesrepublik zu verkleinern? Bedeutet eine geringere Bevölkerung nicht automatisch weniger Umweltbelastung? Der Vortrag beleuchtet die verschiedenen Facetten dieses hochaktuellen Themas.

Mittwoch, 16. Oktober | Vortrag: CO2-Speicherung im Meeresboden – Chancen und Risiken
Prof. Dr. Klaus Wallmann (GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel)
Die weltweite Klimapolitik hat sich zum Ziel gesetzt, die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf höchstens 2 Grad zu begrenzen. Angesichts weiter steigender CO2-Emissionen schwinden jedoch die Chancen, das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen, zusehends. Die EU hat deshalb die Abscheidung von CO2 an Kraftwerken oder Industrieanlagen und die anschließende Speicherung im Untergrund als wichtige Technologie zum Schutz des Klimas definiert. Sie wird als CCS (Carbon Capture and Storage) bezeichnet. Neben Speichern an Land ist auch die Speicherung unterhalb des Meeresbodens weit außerhalb der 12-Meilen-Zone in der Diskussion. Der Vortrag beleuchtet die aktuelle Entwicklung und stellt neueste Forschungsergebnisse zu diesem Thema vor.

Mittwoch, 30. Oktober | Vortrag: Ozeane – Lebensräume der Superlative
Prof. Dr. Sven Klimpel (BiK-F/SGN/Goethe-Universität)
Für die Zukunft der Erde ist ausschlaggebend, wie sich der Klimawandel auf die Ozeane auswirkt – hierüber sind sich die Wissenschaftler einig. Es ist aber noch lange nicht genug bekannt über unsere Meere und darüber, wie sich das Gefüge der Meeresökosysteme durch den Klimawandel verschiebt. Prof. Dr. Sven Klimpel, der am Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), an der Goethe-Universität und in der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung forscht und lehrt, erläutert diese Veränderungen in seinem Vortrag und zeigt auf, was sie für uns Menschen bedeuten.

Freitag, 10. Januar 2014 | Vortrag: Brennendes Meereis: Methanhydrate – Klimakiller oder Zukunftsenergie?
Prof. Dr. Gerhard Bohrmann (MARUM – Zentrum für marine Umweltwissenschaften, Bremen)
Methanhydrat ist eine festem Eis ähnliche Verbindung aus Methan und Wasser und nur bei hohem Druck und niedrigen Temperaturen stabil – Bedingungen, die z.B. ab 400 m Wassertiefe am Meeresboden herrschen. In einem Kubikmeter Methanhydrat stecken 164 Kubikmeter Methan. Zersetzt sich diese Verbindung, dann wird genug Gas freigesetzt, um eine Flamme zu erzeugen. Daher rührt auch der Bezeichnung „Brennendes Eis“. Methanhydrate kommen weltweit am Grund der Ozeane sowie in den Permafrostgebieten Russlands und Kanadas vor. Sie werden einerseits als mögliche Energiereserve der Zukunft gehandelt, andererseits ist das so gespeicherte Methan auch ein gefürchtetes Treibhausgas, welches bei Freisetzung Atmosphäre und Klima beeinflussen kann. Noch wird kein Methanhydrat zur Energiegewinnung abgebaut, aber einige Länder experimentieren bereits damit. Bevor der Abbau beginnt, gibt es noch viel Unbekanntes zu den Methanhydraten zu erforschen.Dies geschieht weltweit, auch von deutschen Instituten aus.