Projektgruppen

7-2.8 | INVASIVE UND INDIGENE ARTEN – UNTERSUCHUNG DES VERDRÄNGUNGSPOTENZIALS UNTER DEN BEDINGUNGEN DES KLIMAWANDELS (2008-2011)

Invasive, nicht-indigene Arten (INA) stellen eine Bedrohung für die Biodiversität dar und werden im globalen Maßstab als einer der wichtigsten Faktoren für das Aussterben oder die Verdrängung einheimischer Spezies angesehen. Darüber hinaus verursachen sie erhebliche wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden, die in einer aktuellen Schätzung der EU-Kommission auf 9,6 bis 12,7 Mrd. Euro pro Jahr für Europa beziffert wurden. Es ist davon auszugehen, dass die durch INA verursachten Probleme in Folge des Klimawandels verstärkt werden und so vor allem ein zunehmender Verdrängungsdruck für indigene Arten resultiert.

In dem Projekt werden experimentelle Studien unter Laborbedingungen durchgeführt, um zu untersuchen, (1) ob der Klimawandel die Verdrängung indigener Arten durch INA in aquatischen Ökosystemen begünstigt, (2) welche Rolle Co-Stressoren (osmotischer Stress, temporäre Austrocknung, Drift, Schadstoffe) dabei spielen, (3) ob INA eine höhere Toleranz gegenüber diesen Co-Stressoren aufweisen und (4) ob dies zu einer Verstärkung der Verdrängungseffekte des Klimawandels in den Biozönosen führt. Dazu werden neben Einzelstressor-Experimenten mit Einzelarten auch Versuche mit einer Kombination verschiedener Stressoren und einer Co-Exposition von indigenen Arten und INA durchgeführt. Die Laborbefunde werden später im Freiland validiert.

Mittelfristig trägt dieses Projekt zum Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels auf das Ausbreitungspotenzial von INA in aquatischen Ökosystemen bei. Die Erkenntnisse liefern wertvolle Informationen für die Entwicklung von Strategien zur Abmilderung klimabedingter Verdrängungseffekte (z.B. angepasster Gewässerausbau, Habitatdiversifizierung, Schadstoffreduktionen).

Team

Dr. Matthias Oetken, Wissenschaftler
Anne Seeland, Doktorandin

Publikationen

Oetken, M., Jagodzinski, L.S., Vogt, C., Jochum, A. & J. Oehlmann : Combined effects of chemical and temperature stress on Chironomus riparius populations with differing genetic variability. - Journal of Environmental Science and Health, Part A (2009) 44, 955–962.
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Scherer, C., Seeland, A., Oehlmann, J. & R. Müller (2013) : Interactive effects of xenobiotic, abiotic and biotic stressors on Daphnia pulex—Results from a multiple stressor experiment with a fractional multifactorial design. - Aquatic Toxicology 138-139: 105-115.

Seeland, A., Oehlmann, J. & R. Müller (2012) : Aquatic ecotoxicity of the fungicide pyrimethanil: Effect profile under optimal and thermal stress conditions. - Environmental Pollution 168: 161-169.

Seeland, A., Oetken, M., Kiss, A., Fries, E. & J. Oehlmann (2012) : Acute and chronic toxicity of benzotriazoles to aquatic organisms. - Environmental Science and Pollution Research 19: 1781-1790.

Seeland, A., Albrand, J., Oehlmann, J. & R. Müller (2013) : Life stage-specific effects of the fungicide pyrimethanil and temperature on the snail Physella acuta (Draparnaud, 1805) disclose the pitfalls for the aquatic risk assessment under global climate change. - Environmental Pollution 174: 1-9.

Sieratowicz, A., Stange, D., Schulte-Oehlmann, U. & J. Oehlmann (2011) : Reproductive toxicity of bisphenol A and cadmium in Potamopyrgus antipodarum and modulation of bisphenol A effects by different test temperature. - Environmental Pollution 159: 2766-2774.