Projektgruppen

L-1.9 | PHYLOGEOGRAFIE UND ARTBILDUNG BEI FLECHTEN DER CETRARIA-ACULEATA-GRUPPE IM WESTLICHEN EURASIEN UND OSTAFRIKA

Projektleiter:
Dr. Christian Printzen

Trotz ihrer Bedeutung für Ökosysteme und als Modellorganismen für Ökologen, ist die Diversität, Verbreitung und Evolution von Flechten immer noch unzureichend bekannt. Ein Problem bei der Entdeckung und Beschreibung der Diversität von Flechten war immer die Variabilität morphologischer Merkmale. Seit einigen Jahren werden DNA-Sequenzdaten als Werkzeug für die Artabgrenzung von Flechten immer wichtiger. Populationsgenetische Untersuchungen zeigen eine große infraspezifische genetische Variabilität vieler Arten, die manche Autoren als Anzeichen für das Vorkommen kryptischer Arten werten. Wenn solche Analysen nur auf einem oder wenigen genetischen Markern beruhen, besteht die Gefahr, dass infraspezifische Abstammungslinien als eigene Arten gewertet werden. Dies hätte erhebliche Auswirkungen auf den Schutz von Flechten und ihre Verwendung als Bioindikatoren. Die Cetraria-aculeata-Gruppe umfasst die polar-alpinen Arten C. muricata, C. nigricans und C. odontella sowie C. steppae and C. crespoae aus dem Mittelmeergebiet. Anhand dieser Modellgruppe versucht das Projekt, die folgenden Fragen zu beantworten: (1) Wie lassen sich die Arten innerhalb des Komplexes umgrenzen? (2) In welchem Maße sind afrikanische und eurasiatische Populationen der C. aculeata Gruppe genetisch isoliert? Sind die Genpools von C. crespoae  und C. steppae stärker vom Rest der Arten isoliert oder überwiegt geographische Isolation? (3) Stammen afroalpine Populationen von C. aculeata von eurasiatischen ab oder umgekehrt? (4) Decken sich die Differenzierungsmuster zwischen afroalpinen und eurasitischen Mykobiontenpopulationen mit Unterschieden bei den Photobionten? In diesem Projekt werden Methoden der “multilocus species tree reconstruction”, Genflussanalyse (basierend auf Mikrosatellitendaten) und ein einfacher “DNA-barcoding-Ansatz” verglichen, um ihren Nutzen für die Artabgrenzung von Flechten abzuschätzen.

Team

Tetiana Lutsak, Doktorandin