Projektgruppen

6-3.10 | KALTWASSERKORALLEN ÖKOSYSTEME

Projektleiter:
Prof. Dr. André Freiwald

André Freiwald, Senckenberg am Meer, Wilhelmshaven

In der Schnittstelle dieses Teilprojektes stehen fossile und rezente Kaltwasserkorallen mit ihren faziellen Eigenschaften sowie der Evolution biologischer Interaktionen und der Entwicklung der Biodiversität in der bathyalen Zone des Mittelmeeres und des Nordatlantiks. Die fossile Überlieferung der heute riffbildenden Kaltwasserkorallen läßt sich für Madrepora bis in das späte Mesozoikum zurückverfolgen und für Lophelia sicher erst seit dem Miozän. Seit 2,7 Mio Jahren sind Lophelia pertusa und Madrepora oculata an der Entstehung von ca. 1600 Korallenmounds am irischen Kontinentalhang in 600 bis 900 m Wassertiefe beteiligt. Im Rahmen von IODP Leg 307 „Porcupine Drilling“ konnte der Zusammenhang zwischen einer Reorganisation und Intensivierung der Zwischenwassermassen entlang der NE-atlantischen Kontinentalränder sowie der Schließung des Panama Gateways sowie dem Beginn der Nordhemisphären Vereisungszyklen hergestellt werden. Im Rahmen von BiK-F Projektgruppe A3 wurde eine kürzlich beendete DFG Studie über die Entwicklung plio-pleistozäner nicht-tropischer Karbonate auf Rhodos komplettiert. In dieser Studie gelang eine komplette chronostratigraphische und lithostratigraphische Gliederung der kleinräumigen Depozentren (Mikrogräben) auf Rhodos. Bathyale biogene Ablagerungen mit L. pertusa und M. oculata konnten einem Paläocanyon zugeordnet werden und letztlich auch die Hebungsgeschichte des heutigen Lardostales an der Nahtstelle zu den Bruchzonen des Hellenenbogens rekonstruiert werden. Diese Arbeiten wurden mit dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften MARUM der Universität Bremen durchgeführt. Die AG Freiwald nahm im Frühjahr 2012 an einer MARUM Expedition mit FS Maria S. Merian in den Golf von Mexiko und in die Florida Straße teil. Auf dieser Expedition wurden ausgedehnte Kaltwasserriffe entlang der seeseitigen Flanke der mexikanischen Campeche Bank entdeckt und mit Schwereloten beprobt. Wertvolles Probenmaterial wurde mit dem Cherokee Tauchroboter von den lebenden Korallenbewohnern geborgen. Auffallend ist die Vielzahl korallenassoziierten polynoiden Schuppenwürmern, die als Kommensalen oder Parasiten an Gorgonien, Antipatharien und Stylasteriden angepasst sind und z.T. überlieferbare Skelettanomalien erzeugen. Eine wissenschaftliche Publikation von Dr. Ruth Barnich (SGN), die vier neue korallenassoziierte Polychaeten und ihre Habitate darstellt, befindet sich in der Begutachtung. Besonders auffallend ist die Affinität und Diversität von Kaltwasserkorallen zu inkrustierenden Bryozoen in spät-pleistozänen und rezenten Vorkommen (Mittelmeer, Mauretanien, Mexiko, Bahamas Slope).


Team

Kei Matsuyama, Doktorand

Publikationen

Barnich, R., Beuck, L. & A. Freiwald (2013) : Scale worms (Polychaeta: Aphroditiformia) associated with cold-water corals in the eastern Gulf of Mexico. - Journal of the Marine Biological Association of the United Kingdom 93: 2129-2143.

Titschack, J., Joseph, N., Fietzke, J., Freiwald, A. & R.G. Bromley (2013) : Record of a tectonically-controlled regression captured by changes in carbonate skeletal associations on a structured island shelf (mid-Pleistocene, Rhodes, Greece). - Sedimentary Geology 283: 15-33.

vorheriges Projekt | nächstes Projekt