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Eigene Veranstaltungen

Prof. Dr. Volker Sommer, University College London:
Lob der Lüge. Zur Evolution von Intelligenz.

Andere hinters Licht zu führen und zugleich deren Tricks zu durchschauen, ist vorteilhaft. Denn obwohl das Sozialleben Vorteile hat – beim Verteidigen von Ressourcen, Schutz vor Feinden oder gemeinsamer Brutpflege –, sind doch Gruppengenossen gleichzeitig Konkurrenten. Deshalb werden jene mehr Nachkommen hinterlassen, die soziale Vorteile eigennützig genießen, zugleich jedoch die Kosten des Wettbewerbs abmildern, indem sie Desinformation streuen – z. B. ein Vogel, der andere Vögel durch einen Warnruf in die Lüfte schickt und dann selbst mehr Würmer fressen kann. Gehirne sollten mithin sowohl täuschen können wie auch Lügendetektoren sein. In dem Sinne lässt sich die Lüge geradezu als Wetzstein der Intelligenz begreifen. Wer dabei die Absichten anderer durchschaut, vermag umso besser zu betrügen. Evolutionsbiologen vermuten, dass sich die Fähigkeit zum Gedankenlesen unter Tieren mit besonders komplexem Sozialleben ausbildete – was auf Papageien, Krähen, Elefanten oder Delfine zutrifft, speziell aber auf Primaten wie Affen und Menschen. Sich in andere hineinversetzen zu können, hat dabei allerdings nicht nur eine egoistische Schattenseite, sondern paradoxerweise ermöglichte die Lüge zugleich effizientere Kooperation, Mitgefühl und Mitleid.

Volker Sommer, geb. 1954, ist Professor für Evolutionäre Anthropologie am University College London. Er studierte Biologie, Chemie und Theologie in Göttingen, Marburg, Berlin und Hamburg. Es folgten Stationen als Privatdozent für Anthropologie und Primatologie an der Universität Göttingen und an der University of California in Davis. Seit vielen Jahren erforscht er in Asien und Afrika Ökologie und Verhalten von Primaten. Einer breiteren Öffentlichkeit ist der engagierte Naturschützer durch Funk und Fernsehen sowie seine Thesen und Bücher zu evolutionsbiologischen Themen bekannt, etwa „Lob der Lüge“ oder „Menschenaffen wie wir“. 

Moderation: Prof. Dr. Friedemann Schrenk, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität

Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Einlass ab 19:00 Uhr
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Datum: Mittwoch, 14.12., 19:30 Uhr,
Ort: Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F), Georg-Voigt-Straße 14, 60325 Frankfurt.

In den kommenden Jahren erweitert die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ihr Naturmuseum in Frankfurt von 6.000 auf 10.000 Quadratmeter. Vier neue Ausstellungsbereiche (Mensch – Erde – Kosmos – Zukunft) nehmen die Besucher mit auf die Reise zu unseren Anfängen, zu den aufregendsten Plätzen der Erde, in die Weiten des Universums und beleuchten die Zukunft unseres Planeten. (siehe auch http://die-welt-baut-ihr-museum.de)
Zudem werden 2016 und 2017 die Themen der vier Ausstellungsbereiche in vier Vortragsreihen aufgegriffen und vertieft. Die Reihe „Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens“ betrachtet unsere gemeinsamen Wurzeln, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Entwicklung des menschlichen Körpers. Vielmehr steht auch die Evolution geistiger, kultureller und emotionaler Fähigkeiten im Fokus.
Die Reihe rückt die Evolution des Menschen als Ganzes in den Mittelpunkt und bringt große Köpfe und neue Ideen zu diesem Thema nach Frankfurt: Die Referentinnen und Referenten stellen aktuelle Erkenntnisse zur körperlichen Entwicklung von Homo sapiens wie auch zur Entwicklung menschlichen Denkens, der Gefühle und des Bewusstseins für Kunst und Ästhetik vor.
Die Reihe wird veranstaltet von der Goethe-Universität Frankfurt und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ von der  Deutsche Bank gefördert.
Medienpartner der Reihe ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Mehr unter:
www.senckenberg.de/woherkommtdermensch 


Ansprechpartner
Dr. Julia Krohmer
Telefon: 069 7542 1837
Fax:
E-Mail: jkrohmer@senckenberg.de